Hike & Fly Tandemflug vom Spieser

Zwei Perspektiven, ein gemeinsames Erlebnis

Dieser Tag war für uns beide etwas Besonderes – auch wenn ich als Pilot den Spieser schon mehrfach geflogen bin. Denn jeder Flug ist geprägt von dem Menschen, der mit mir fliegt – von seinen Erwartungen, seiner Spannung und dem Moment, in dem aus all dem pures Erleben wird.

Wir starteten in Oberjoch am Parkplatz P1. Der Schirm im Rucksack, ein kurzer Blick nach oben, dann ging es los. Für mich beginnt ein Tandemflug nicht erst beim Start, sondern mit den ersten Schritten bergauf. Während ich den Weg kenne und meinen Rhythmus finde, nehme ich wahr, wie der Passagier ankommt – im Gelände, in der Höhe, in der Situation. Gespräche entstehen, Pausen auch. Und langsam wächst dieses leise Vertrauen, das später in der Luft so wichtig ist.

Gestartet sind wir in Oberjoch am Parkplatz P1. Mit dem Schirm im Rucksack ging es los auf den Wanderweg Richtung Hirschalpe. Während ich den Weg gut kannte, war für den Passagier bereits der Aufstieg Teil des Abenteuers. Schritt für Schritt führte uns der Weg tiefer in die Berglandschaft oberhalb von Bad Hindelang.

Der Weg führte uns zunächst zur Hirschalpe. Insgesamt warteten rund 6 Kilometer und etwa 530 Höhenmeter auf uns. An diesem Tag war der Untergrund stellenweise vereist. Jeder Schritt wollte bewusst gesetzt sein. Die Grödel unter den Schuhen und die Stöcke in den Händen gaben Sicherheit – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Gerade für jemanden, der das alles zum ersten Mal erlebt, ist es wichtig zu spüren: Wir haben Zeit.

Nach der Hirschalpe wurde es stiller. Der Weg führte weiter hinauf, weg vom Trubel, hinein in diese alpine Ruhe, die man nicht erklären muss – man spürt sie einfach. Am Gipfel-Startplatz angekommen, breitete sich dieser besondere Moment aus, den ich trotz vieler Flüge nie als selbstverständlich empfinde.

Während ich routiniert den Schirm auslegte, Leinen sortierte und Wind sowie Bedingungen prüfte, war neben mir deutlich zu spüren, wie die Spannung wuchs. Für mich ist dieser Ablauf fast meditativ, für den Passagier ein Augenblick voller Gedanken, Vorfreude und vielleicht auch Nervosität. Genau hier nehme ich mir bewusst Zeit: erklären, beruhigen, Vertrauen schaffen. Noch stehen wir fest auf dem Boden, und doch beginnt der Flug eigentlich schon hier – im Kopf und im Bauch.

Dann kam der Start. Wir liefen gemeinsam an, ruhig und konzentriert. Der Schirm stieg sauber über uns, ein kurzer Moment des Widerstands – und plötzlich war da nur noch Luft. Dieses Abheben, dieses lautlose Loslassen, berührt mich auch nach vielen Flügen immer wieder. Besonders dann, wenn ich spüre, wie sich die Anspannung vor mir löst und in Staunen verwandelt.

In der Luft wurde alles weit und ruhig. Der Flug dauerte rund 15 Minuten, doch Zeit spielt hier oben eine andere Rolle. Wir glitten über die Hirschalpe hinweg am Hirschberg vorbei und hatten Bad Hindelang tief unter uns. Für mich ist dieser Blick vertraut – und gleichzeitig immer wieder neu, weil ich ihn durch die Reaktionen des Passagiers miterlebe: durch ein Lächeln, ein leises Lachen oder einfach durch stilles Genießen.

Die Landung nahe dem Busbahnhof in Bad Hindelang war ruhig und unspektakulär – genau so, wie man es sich wünscht. Nach dem Zusammenpacken blieb ein Moment zum Nachspüren, zum Ankommen. Die Eindrücke hingen noch in der Luft, während wir ganz entspannt mit dem Linienbus zurück nach Oberjoch fuhren. Kein Stress, kein Zeitdruck – nur dieses angenehme Gefühl, etwas Besonderes gemeinsam erlebt zu haben.

Fazit

Der Hike & Fly Tandemflug vom Spieser zeigt für mich jedes Mal aufs Neue, warum Tandemfliegen so besonders ist. Erfahrung und Routine auf der einen Seite, Neugier und Staunen auf der anderen – verbunden durch einen gemeinsamen Weg, einen gemeinsamen Start und einen gemeinsamen Flug.