Mit dem Elektroauto zum Gleitschirmfliegen nach Südengland – zehn Tage zwischen Kreidefelsen, Küstenwind und britischer Gastfreundschaft

England-Beer

Kann man Südengland mit dem Elektroauto bereisen und dabei die schönsten Gleitschirmfluggebiete entdecken? Nach zehn Tagen unterwegs können wir diese Frage mit einem klaren Ja beantworten.

Ausgangspunkt unserer Reise war nicht der klassische Badeurlaub oder eine Sightseeing-Tour. Unser Ziel war es, die Fluggebiete im Süden Englands kennenzulernen, Kontakte zu den lokalen Vereinen zu knüpfen und herauszufinden, ob sich England als Ziel für eine Gleitschirmreise eignet. Gleichzeitig wollten wir erleben, wie gut eine solche Tour mit einem Tesla funktioniert.

Schon die Vorbereitung war unkomplizierter als gedacht. Die elektronische Einreisegenehmigung (ETA) war schnell beantragt, der Eurotunnel für die Hinfahrt und die Fähre für die Rückreise gebucht. Lediglich die französische Umweltplakette sollte man rechtzeitig bestellen. Danach stand dem Abenteuer nichts mehr im Weg.

Die Anreise über Calais war zwar durch Staus und lange Wartezeiten an der Passkontrolle etwas zäh, doch spätestens nach der Ausfahrt aus dem Eurotunnel begann das eigentliche Abenteuer. Linksverkehr, enge Straßen und unzählige Kreisverkehre klangen im Vorfeld deutlich aufregender, als sie sich später tatsächlich anfühlten. Nach wenigen Stunden wurde das Fahren fast schon zur Routine – auch wenn man sich auf den schmalen Landstraßen immer wieder mit dem Gegenverkehr arrangieren musste.

Mit dem Elektroauto unterwegs zu sein, erwies sich als völlig problemlos. Die Ladeinfrastruktur funktionierte zuverlässig, Tesla-Supercharger waren gut verteilt und auch andere Schnelllader waren leicht zu finden. Reichweitenangst spielte während der gesamten Reise praktisch keine Rolle.

Im Mittelpunkt standen jedoch die Fluggebiete.

Mount Caburn wurde schnell zu einem unserer Lieblingsplätze. Der kurze Hike zum Startplatz, die Aussicht über die sanften Hügel von Sussex und die entspannte Atmosphäre machten das Gelände zu einem idealen Einstieg in das englische Fliegen. Hier verbrachten wir mehrere Tage, konnten verschiedene Bedingungen kennenlernen und kamen schnell mit den einheimischen Piloten ins Gespräch.

Was uns dabei besonders beeindruckte, war die Offenheit der englischen Gleitschirmszene. Schon nach wenigen Minuten fühlte man sich willkommen. Es wurde erklärt, geholfen, über Wetter, Startplätze und Besonderheiten der Fluggebiete gesprochen und selbstverständlich auch über die schönsten Fluggebiete Deutschlands diskutiert. Erstaunlich viele Piloten kannten den Tegelberg und Schloss Neuschwanstein bereits aus eigener Erfahrung. So entstanden immer wieder Gespräche, die weit über das eigentliche Fliegen hinausgingen.

Auch andere Fluggebiete wie White Horse, Ringstead oder Beer zeigten, wie unterschiedlich die Küsten Südenglands sein können. Mal standen weite grüne Hügel im Vordergrund, mal spektakuläre Steilküsten direkt über dem Meer. Nicht überall passten die Bedingungen zum Fliegen. Manchmal war der Wind zu schwach, manchmal zu stark. Doch selbst an diesen Tagen lohnte sich der Besuch, denn gerade das Kennenlernen der Gelände, der Zufahrten, Parkmöglichkeiten und lokalen Besonderheiten war eines der wichtigsten Ziele unserer Reise.

Besonders in Erinnerung bleibt Beer. Aus einem zunächst windarmen Tag entwickelte sich am Ende doch noch ein wunderschöner Küstenflug mit Strandlandung. Anschließend führte der Rückweg zu Fuß entlang der Felsen und durch einen grünen Wald zurück zum Startplatz – eine Kombination aus Fliegen und Wandern, die diesen Ort zu einem echten Highlight machte.

White Horse beeindruckte auf ganz andere Weise. Schon der lange Fußweg über die offenen Wiesen zum Startplatz war ein Erlebnis. Das riesige weiße Pferd im Hang bildet eine außergewöhnliche Kulisse und macht das Fluggebiet unverwechselbar. Gleichzeitig zeigte sich hier, wie wichtig lokale Informationen sind. Ohne die Beschreibung des Vereins hätten wir den richtigen Parkplatz vermutlich nie gefunden.

Neben den Fluggebieten war es vor allem die Landschaft, die diese Reise so besonders machte. Kreidefelsen, kleine Küstenorte, grüne Hügel und das Meer begleiteten uns fast jeden Tag. Orte wie Durdle Door, Brighton, Lewes oder Beer zeigten ganz unterschiedliche Facetten Südenglands.

Natürlich gehörte auch die britische Küche dazu. Fish and Chips standen mehrfach auf dem Speiseplan – klassisch mit Salz und Essig, einmal sogar stilecht aus der Pappschachtel direkt am Strand. Dass dabei eine ausgesprochen selbstbewusste Möwe versuchte, sich am Abendessen zu bedienen, gehört inzwischen ebenfalls zu den schönsten Erinnerungen dieser Reise. Ebenso genossen wir die vielen gemütlichen Pubs, die englischen Biere und das traditionelle Frühstück mit Rührei, Würstchen und Toast.

Eine Überraschung war das Wetter. Statt des erwarteten typisch britischen Klimas erlebten wir eine außergewöhnliche Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 Grad. Dadurch mussten manche Pläne angepasst werden, gleichzeitig sorgte das stabile Hochdruckwetter aber auch für viele wunderschöne Tage an der Küste.

England erwies sich außerdem als deutlich teurer als erwartet. Viele Preise lagen spürbar über unserem ursprünglichen Budget. Trotzdem hatten wir nie das Gefühl, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmen würde. Freundliche Menschen, gut organisierte Fluggebiete und beeindruckende Landschaften machten vieles wieder wett.

Unser wichtigstes Fazit betrifft jedoch das Gleitschirmfliegen.

Südengland ist weit mehr als nur eine Alternative zu den bekannten Flugregionen in den Alpen. Die Kombination aus Küstenfliegen, Hike & Fly, gastfreundlichen Vereinen und abwechslungsreichen Fluggebieten macht den Süden Englands zu einem äußerst spannenden Reiseziel für Gleitschirmpiloten. Wer bereit ist, sich auf andere Regeln, andere Wetterbedingungen und den Linksverkehr einzulassen, wird mit einzigartigen Flugerlebnissen belohnt.

Wir sind mit vielen neuen Eindrücken, einigen neuen Freundschaften und einer langen Liste weiterer Fluggebiete nach Hause gefahren, die wir beim nächsten Besuch entdecken möchten.

Denn eines steht nach diesen zehn Tagen fest: Das war ganz sicher nicht unsere letzte Gleitschirmreise nach England.

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